Spätestens wenn die Kinder in die Pubertät kommen, beschweren sich die Eltern regelmäßig, dass sie kaum noch ein Wort verstehen, von dem was ihre Kinder so sprechen. Abkürzungen und Zeichenkombinationen die für bestimmte, definierte Bedeutungen stehen und bereits von den Jüngsten ganz selbstverständlich im SMS- und Email-Verkehr verwendet werden, sind eine Sache, aber auch in ganz alltäglichen Gesprächen, bekommt so mancher Erwachsene ganz schnell Verständnisprobleme.
Aber warum spricht die heutige Jugend so, wählt ganz bewußt neue Begriffe für ganz gewöhnliches, die die ältere Generation dann aber nicht mehr versteht? Wächst da wirklich eine ganze Generation an rücksichtslosen Egoisten heran, die mit ihrem Jugendslang den Eltern ganz bewußt zu verstehen geben will, dass sie zum alten Eisen gehören?
Für jeden, der seine Kinder nicht mehr versteht und langsam der Verzweiflung nahe ist, kann Entwarnung gegeben werden. Dieses Phänomen, dass die jüngere Generation mit einem aktuellen Jugendslang sich eine Art neue Sprache schafft, hat es nämlich schon immer gegeben. Es gehört einfach zum Abnabelungsprozess dazu, sich irgendwann auch durch eine eigene Sprache von den Eltern abzugrenzen.
Würde sich unsere Sprache nicht ständig weiter entwickeln und verändern, würden wir unsere Eltern beispielsweise immer noch Siezen oder gar in der dritten Person ansprechen. Es gab schon immer eine Art junge Rebellen, die ganz bewußt anders gesprochen haben, als noch die Generation zuvor. Diese Prozesse sind wichtig für eine lebendige Sprache und haben trotzdem gleichzeitig auch schon immer für Aufreger und Empörung bei den älteren Generationen gesorgt.
Bevor es also das nächste Mal Streit und Diskussionen gibt, weil die Kinder unverständliche Begriffe verwenden und sich über die Eltern lustig machen, wenn diese nichts verstehen, kann man sich ja auch mal darüber unterhalten, welchen Jugendslang es eine Generation zuvor gab und über welche Ausdrücke Oma und Opa so gestolpert sind.

